Die Ausgangslage

Der Verband der Schweizer Studierendenschaften (VSS) hat an seiner Delegiertenversammlung vom 2. Mai 2026 einstimmig ein Positionspapier verabschiedet, das eine vollständig pflanzliche Verpflegung an den Schweizer Hochschulen fordert. Angetrieben wird die Forderung von der Kampagne Plant-Based Universities. Damit will eine ideologisch geprägte Funktionärsschicht die Essgewohnheiten von über 280’000 Studierenden auf Linie bringen. Dagegen wehren wir uns weiterhin vehement!

Entmündigung der Studierendenschaft

Studierende sind erwachsene, mündige Menschen. Sie entscheiden selbst, was sie studieren, wo sie wohnen und wie sie leben. Dass ausgerechnet ihr eigener Dachverband ihnen nun vorschreiben will, was auf den Teller darf, ist ein bemerkenswerter Akt der Bevormundung. Eine rein pflanzliche Mensa lässt keine Wahl mehr, sie nimmt sie weg. Wer sich vegan ernähren will, kann das heute schon tun, das Angebot dafür ist da. Wer es anders halten möchte, soll diese Freiheit ebenso behalten. Echte Vielfalt bedeutet nämlich, verschiedene Ernährungsweisen nebeneinander zuzulassen, statt eine einzige Lebensweise institutionell zu bevorzugen. Universitäten sollen Studierenden eine vielfältige Auswahl bieten, statt ideologische Ernährungsexperimente durchzusetzen. Es ist weder die Aufgabe des VSS, den Universitäten noch die des Staates, mündige Menschen zu erziehen! Wir finden: Wenn man mündig genug ist, um zu studieren, ist man auch mündig genug, sein Menü selbst zu wählen.

Keine tierischen Produkte – kein ausgewogenes Menü!

Eine vegane Ernährung kann gesund gelebt werden, allerdings mit etlichen Hürden. Die Eidgenössische Ernährungskommission (EEK) kommt in ihrer Übersichtsarbeit von 2018 zum Schluss, dass eine vegane Ernährung für breitere Bevölkerungskreise nicht empfohlen werden kann, weil sie ein sehr grosses Ernährungswissen voraussetzt, um Nährstoffmängel zu vermeiden. Für einzelne Nährstoffe wie Vitamin B12 ist eine zuverlässige Versorgung ohne tierische Produkte praktisch nur über Supplemente möglich. Eine rein pflanzliche Mensa würde die Studentinnen und Studenten damit zum Konsum von Nahrungsergänzungsmitteln drängen.

Durchsetzung einer ideologischen Einheitslinie

Ein an einer Delegiertenversammlung beschlossenes Positionspapier ist nicht der Wille von 280’000 Studierenden, sondern der Beschluss einer Versammlung. Hinter der Forderung steht mit Plant-Based Universities eine Kampagne mit einem klaren weltanschaulichen Ziel. Das ist keine Grundlage, um allen anderen die eigene Überzeugung als verbindliche Norm überzustülpen. Genau das geschieht hier: Eine Minderheitenposition wird über den Verband zur Vorschrift für alle erhoben. Vertretung bedeutet, die ganze Bandbreite der Studierendenschaft abzubilden, und nicht, im Namen aller eine einzige Ideologie durchzusetzen.

Gegen ideologische Diktate, für mehr Bodenständigkeit!

Die Jungfreisinnigen lehnen aus den oben ausgeführten Gründen die Forderung des VSS ab. Die Studierendenschaften sind mündig genug, sich und ihre Essgewohnheiten selbst zu reflektieren und ihre Entscheidung zu treffen. Erfahrungen aus dem Universitätsalltag in Bern zeigen, dass weite Teile der Studierendenschaft gegen ein rein pflanzliches Angebot sind. Wir fordern vom VSS, dass er sich als Vertretung der Studierendenschaften mehr mit den Bedürfnissen der tatsächlichen Studentinnen und Studenten und weniger mit denen von ideologisch motivierten Verbandsfunktionären befasst – ansonsten ist die Repräsentativität und damit der Nutzen des VSS eindeutig zu hinterfragen.

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Noela Ramadani  

Vizepräsidentin Jungfreisinnige Kanton Bern  

noela.ramadani@jfbe.ch